Einsatz 2006


Rahmendaten


Einsatzzeit: 30. Juli - 19. August 2006
Einsatzort : Flüchtlingslager Cardac und Petrovac
Vorbereitungswoche: 27. April - 01. Mai 2005
Vorbereitungsort : Ohlweiler Mühle, Hunsrück
Infotag: 23. März 2005, Mainz
AG - Treffen: 10.06., 08.07.
Treffpunkt: Don Bosco, Mainz
Teilnehmer 2006

Schon nach der Werkwoche Anfang Mai zur Vorbereitung unseres Einsatzes konnte ich es kaum noch erwarten, bis es endlich los ging. Doch drei Monate musste ich mich noch gedulden.
Die viertägige Werkwoche im Hunsrück sollte uns Teilnehmer durch Landeskunde, Rollenspiele, Sprache und natürlich auch dem gegenseitigen Kennenlernen gut auf den Einsatz vorbereiten. Denn die insgesamt zehn Freiwilligen aus ganz Deutschland - darunter aus Bremen, Konstanz oder Bayreuth- kannten sich bis auf wenige „alte Hasen“ noch nicht, und sie sollten im Sommer drei Wochen auf engstem Raum miteinander verbringen. Dafür war ein Kennenlernen der Teilnehmer wichtig, zumal sich die Gruppe noch aufteilen musste, da es in zwei Lager gehen sollte.

Mein zweiter Einsatz als Teilnehmer führte mich in diesem Jahr ins Lager Cardak. Und am 30. Juli war es dann endlich so weit. Nachdem wir am Vortag die Wagen gepackt hatten, fuhr ich mit den neun weiteren Freiwilligen Richtung Serbien. Der erste Tag endete in Graz, wo wir einen Zwischenstopp machten und die Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Belgrad. Nach einer weiteren Nacht dort fuhren wir jeweils zu fünft in die Lager.

In Cardak angekommen, erwartete uns schon eine freudige Kinderschar und, nachdem wir unsere „Wohnung“ im Lager bezogen hatten, konnte das Programm endlich starten.
Ganz traditionell begannen wir mit lauter kleinen Kennenlernspielen den ganzen Nachmittag über. Danach konnten wir mit unserem geplanten Programm starten. Die drei Spieleinheiten täglich boten dafür genügend Zeit. Jeden einzelnen Punkt aufzuzählen, wäre dann aber doch zu weitläufig. Deshalb werde ich mich im Folgenden einfach auf meine persönlichen Highlights beschränken.
Neben Sport, Basteln und Spielen bestand unser Programm noch aus kleineren Ausflügen. Einer dieser Ausflüge ging zusammen mit den Kindern zu einem Badesee. Neben einem relativ entspannten Tag für uns war es vor allem für die Kinder ein riesen Spaß.Erstens, weil sie das Lager mit seinem tristen Leben für einen Tag verlassen konnten, zweitens, weil auch das Schwimmengehen an sich für die Kinder eine absolute Seltenheit ist. Ein weiterer Programmhöhepunkt war neben vielen anderen Lagerspielen unser Minigolf. In der Morgeneinheit wurden dafür zusammen mit den Kindern aus Stöcken und Sperrholzplatten Minigolfschläger gebastelt und bemalt. Am Nachmittag wurde dann, nachdem die Zivis in der Mittagspause zehn selbstausgedachte Bahnen auf dem Sportplatz gebaut hatten, endlich gespielt, und das mit großem Spaß.
Auch unser Seilparcour zählte zu den herausragenden Programmpunkten. Diesen gestalteten wir im Wald und bestückten ihn mit einigen Hindernissen, denn die Kinder sollten den Parcour mit vebundenen Augen bewältigen. Und vor allem die Tatsache, dass die Kinder blind durch den Wald mussten, machte deutlich, das viele Kinder große Angst im Dunkeln hatten und auch das Vertrauen zu der Person, die sie führte, war anfänglich nicht sehr groß. Doch als der Parcour geschafft war, war die Freude um so größer und natürlich gab es zur Belohnung noch einen kleinen Preis. Darüber hinaus gab es Bingo, Fußball, Riesen-mensch-ärgere-dich-nicht, Kegeln, Lagerfeuer, Tanz u.v.m.. Traditionell veranstalteten wir am letzten Abend zusammen mit den Kindern einen großen Abschlussabend, den es in Cardak in Form eines Varietees gab. Dazu bereiteten wir zusammen mit den Kindern ein buntes Programm von Tanz über eine Tiershow bis hin zu einer Judoeinlage vor.
Der letzte Abend ist jedes Jahr aufs neue etwas ganz besonderes. Alle Kinder erscheinen und auch viele von deren Eltern und anderen Lagerbewohnern kommen. Das breite Programm soll noch ein letztes mal alle erfreuen und dient doch der Verabschiedung im Lager. Gerade deswegen ist dieser Abend auch immer sehr, sehr traurig. Aber dieses Jahr haben wir Zivis dem Lager mit einer selbstgebauten Erinnerungsbank ein Geschenk hinterlassen, damit wir und unsere Arbeit hoffentlich unvergessen bleiben.
War der letzte Abend dann schon tränenreich, so wird die Abfahrt am nächsten morgen noch trauriger.Vor allem, weil gewöhnlich ein Großteil der Kinder sowie einige Lagerbewohner morgens in der früh vor unser Wohnung im Lager warten, um uns noch ein letztes Mal zu verabschieden.

Wir müssen die Kinder verlassen, ohne zu wissen, wie es mit ihnen weitergehen wird. Und während wir zurück in unser „normales“Leben zurückkehren, heißt das normale Leben der Kinder im Lager wieder Tristesse und Ungewißheit. Helfen konnten wir den Menschen vor Ort im eigentlichen Sinne nicht. Aber in den drei Wochen konnten wir den Menschen wieder Hoffnung schenken, ihnen zeigen, dass sie noch nicht vergessen sind. Wir konnten den Kindern unvergessliche Ferien bereiten. Und vielleicht konnten wir auch ein Stück Vorbild sein.

Darüber hinaus haben wir für sich selbst viel gelernt. Wir konnten die Folgen der schrecklichen Kriege auf dem Balkan sehen. Wir hatten Kontakt zu den Opfern dieser Kriege. Wir erlebten trotz der dort herrschenden Armut die unheimliche große Dankbarkeit und Gastfreundlichkeit der Menschen. Und wir ernteten für unsere Arbeit mehr als einmal das Lächeln eines Kindes.
All dies wird den Einsatz für jeden einzelnen Teilnehmer unvergesssen machen.


© Verfasst von Christian Hardt, Teamer, Sep. 2006