Einsatz 2005


Rahmendaten

Einsatzzeit: 31. Juli - 20. August 2005
Einsatzort : Flüchtlingslager Cardac und Petrovac
Vorbereitungswoche: 04. - 08. Mai 2005
Vorbereitungsort : Mühle Regenborgen / Ober-Ramstadt
AG - Treffen: 11.06., 16.07.
Treffpunkt: Don Bosco, Mainz
Teilnehmer 2005


Wochen der intensiven Vorbereitung lagen hinter uns, als wir am 31.07.2005 zum diesjährigen Einsatz "Zivis für Kinder in Serbien" aufbrachen, der uns wieder in die Flüchtlingslager Cardak und Petrovac na Mlavi führte. 9 Zivildienstleistende aus ganz Deutschland und fünf ehemalige Zivildienstleistende, die zum Teil schon mehrfach in den Lagern waren und als Teamer den Einsatz leiteten, nahmen an dieser Fahrt teil. Während einer gemeinsamen Werkwoche und bei mehreren eintägigen Arbeitstreffen hatten wir uns auf den Einsatz eingestimmt, das Programm geplant, die Sprache trainiert und Spenden sortiert. Ihren Höhepunkt fanden die Vorbereitungen einen Tag vor der Abfahrt. Nun mussten die ganzen durch Spenden gesammelten Materialien geordnet, verpackt und dem jeweiligen Lager zugewiesen werden. Mehrere Mainzer Zeitungen zeigten durch Reporter ihr Interesse an unserem Projekt und begleiteten den Anfang unserer Arbeit. Auch der Mainzer Generalvikar Dietmar Giebelmann ließ es sich nicht nehmen, sich über unser Projekt zu informieren und uns den Reisesegen zu spenden. Die Öffentlichkeitsarbeit ist für uns sehr wichtig, um vor, während und auch nach dem Einsatz auf die Notwendigkeit von Unterstützung hinzuweisen, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre. Am frühen Abend war es endlich geschafft. Die drei uns zur Verfügung stehenden Autos waren beladen und standen abfahrbereit vor der Tür.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Nach einer gemeinsamen Verabschiedung in der Kapelle des Mainzer Jugendhauses Don - Bosco, gestaltet von Wolfgang Rieke, Zivildienstseelsorger der Diözese Mainz, machten wir uns, begleitet von den guten Wünschen der Zurückgebliebenen, auf den langen Weg nach Serbien. Wie jedes Jahr machten wir auch in diesem Jahr wiederStation in Graz. Am Abend erreichten wir die Kulturhauptstadt des Jahres 2003 und wurden von Pater Rupert und zwei Helferinnen der Salvatorpfarre herzlich empfangen und bewirtet und konnten so, wie in den Jahren zuvor, einen erholsamen und überaus angenehmen Zwischenstopp genießen. Am nächsten Tag machten wir uns, gestärkt durch ein gutes Frühstück, auf den Weg nach Belgrad, unser zweites Etappenziel. Nach problemloser Passierung aller Grenzen erreichten wir am frühen Abend die serbische Hauptstadt, wo wir von Mitarbeitern der serbischen Nichtregierungsorganisation "Zdravo da ste" ("Dass es Dir gut gehe") empfangen wurden. Hier konnten wir uns nun noch einmal von den Anstrengungen der zweitägigen Fahrt erholen.

Der dritte Tag unserer Fahrt hob die Spannung und Anspannung. Nun ging es in den Teams, die bei der intensiven Vorbereitung während der Werkwoche gebildet wurden, in die beiden Lager. Was wird uns erwarten? Wie werden wir empfangen? Wie steigen wir am besten in unser Programm ein? Wird es mit der Verständigung klappen? Getragen von diesen unterschiedlichen Gefühlen trennten wir uns und fuhren in die Lager Cardak und Petrovac na Mlavi. Hier zeigte sich sehr schnell, dass sich viele unserer Fragen und Bedenken von alleine klärten. Begleitet von Zdravo da ste - Mitarbeitern, die uns in die Lager einwiesen, waren wir, kaum, dass wir die Lager betreten hatten, von Kindern umringt, denen die Freude über unser Dasein ins Gesicht geschrieben stand. Durch Kennenlernspiele verschiedener Art fassten wir sehr schnell gegenseitiges Vertrauen und fanden problemlos zueinander.

Für die nächsten drei Wochen gestaltete sich unser Alltag nach einem sorgfältig vorbereiteten Plan. Um 10 Uhr starteten wir mit unserem Programm, welches ca. zwei Stunden dauerte. In dieser Zeit haben wir mit den Kindern gespielt, gebastelt, gemalt, Musik gemacht, gesungen und große Programmpunkte wie Film- und Diaabend, Nachtwanderung, Bingoabend, Minigolfturnier, Lagerolympiade, Waldtag und nicht zuletzt das Zirkusprogramm für unsere großen Abschlussabende vorbereitet. Nach dem Mittagessen und einer Mittagspause ging es dann um 15.30 Uhr weiter. In dieser Zeit machten wir eine Vielzahl gemeinschaftlicher Spiele, für die wir die Lagersportplätze nutzten, machten Wanderungen und Olympiaden, verschönerten zusammen mit den Kindern durch Straßenmalkreide die Sportplätze und brachten Volleyball- und Fußballnetze an, sodass auch nach unserer Zeit in den Lagern die Möglichkeit für Sportaktivitäten besteht. Beliebte Programmpunkte des Abends waren, neben dem gemütlichen Tagesausklang, das gemeinsame Bingospiel für Groß und Klein sowie große Lagerfeuer und Disco. Über nette Gespräche und Musik - sowohl selbst gemacht als auch per CD - trafen wir mit den Jugendlichen zusammen und konnten manch schönen Abend gestalten. Auch der Kontakt zu den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein wichtiger Teil unseres Projektes. Für sie ist es gut, dass sie auch einmal Menschen zum Reden haben, die nicht tagtäglich von derselben Situation betroffen sind und für uns ist es interessant, etwas über sie und ihr Leben in den Lagern zu erfahren, zu hören, was sie über unsere Arbeit denken, was sie über ihre Zukunft und Chancen in Serbien denken oder auch, wie sie die politische Situation sehen.

Für das Lager Cardak bot sich die Möglichkeit, anhand zweier Ausflüge - für die Kinder nach Bela Crkva (ein Badeort an der rumänischen Grenze) und für die Erwachsenen zu einem Kloster nach Koporin und nach Smederevo - die Isolation nach außen wenigstens einmal für einen Tag aufzubrechen.

Nun sind die drei Wochen vorbei, auf die wir so lange hingearbeitet haben. In dieser Zeit konnten wir die unterschiedlichsten Eindrücke und Erfahrungen sammeln und jedes einzelne Kinderlachen und frohe Gesicht entschädigt für alle Mühen. Dennoch bleibt der bittere Gedanke daran, dass wir die Menschen in ihrer Ungewissheit und mit der täglichen Frage was wohl morgen sein wird zurücklassen mussten. Viel konnten wir in diesen drei Wochen nicht tun. Wir können den dort lebenden Menschen keine Perspektive für die Zukunft geben oder ihnen gar aus dieser Situation heraushelfen. Aber wir können versuchen, für drei Wochen ein wenig Abwechslung zu bringen, sodass der Alltag und die Schwierigkeiten des Lebens einmal für kurze Zeit vergessen werden. Wir können ihnen durch kleine Gesten zeigen, dass sie nicht vergessen sind und dass es sich lohnt, zu leben und die Hoffnung nicht aufzugeben. In Mainz angekommen, wurden wir von einer Radioreporterin empfangen und sollten unsere Eindrücke und Erfahrungen schildern. Das sind der Beginn unserer Nachbereitung und die Arbeit gegen das Vergessen. Es gibt leider immer noch genügend Menschen, die nicht wissen, dass es innerhalb Europas noch Menschen gibt, die durch die Sinnlosigkeit von Krieg und Zerstörung heimatlos sind und in Flüchtlingslagern leben müssen. Menschen, denen es nicht so gut geht, wie uns in unserem Wohlstand. Hören sie Serbien, denken sie an Krieg, einschließlich Armut, Vielvölkerproblematik, Arbeitslosigkeit, schlechte Ökonomie, Kriminalität und Korruption. Das ist teilweise wahr, aber es ist nur die eine Seite Serbiens. Während unserer Arbeit haben wir die Gelegenheit bekommen, auch die andere Seite Serbiens kennen zu lernen. Das Serbien mit offenen und freundlichen Menschen, das Serbien mit hilfsbereiten Menschen, das gastfreundliche Serbien, das Serbien, dass es nicht verdient, dass die dort lebenden Menschen vergessen werden, nur weil sich die Medien andere Kriegsschauplätze suchen.


© Verfasst von Stephan Plur, Teamer, Sep. 2005