Einsatz 2004


Rahmendaten

Einsatzzeit: 01. - 21. August 2004
Einsatzort : Flüchtlingslager Cardac und Petrovac
Vorbereitungswoche: 27. - 31. Mai 2004
Vorbereitungsort : Mühle Regenborgen / Ober-Ramstadt
AG - Treffen: 18.03., 24.04., 03.07., 17.07.
Treffpunkt: Kath. Jugendzentrale, Mainz
Teilnehmer 2004


Noch sieht alles ein bisschen wirr und durcheinander aus, aber das wird sich in den nächsten Stunden Stück für Stück ändern. Wir befinden uns im Hof des Bischöflichen Ordinariats Mainz, wo die letzten Vorbereitungen für den diesjährigen Einsatz der "Zivis für Kinder in Serbien" getroffen werden. An ihm nehmen vier Zivildienstleistende und vier ehemalige Zivildienstleistende als Teamer teil. Zwei Schilder an der Wand weißen darauf hin, wo es auch in diesem Jahr wieder hingehen soll: es sind die beiden Flüchtlingslager Cardak und Petrovac. Bevor es aber soweit ist, muss das durch Spenden gesammelte Material noch geordnet und verpackt werden, damit dann vor Ort auch alles zu finden ist. Ein großes Medieninteresse (neben HR 4 und Radio Vatikan auch ein Kamerateam vom SWR) begleitet den Anfang unserer Arbeit. Die Öffentlichkeitsarbeit ist für uns sehr wichtig, um vor, während und auch nach dem Einsatz auf die Notwendigkeit von Unterstützung hinzuweisen. Am frühen Abend dann ist es endlich geschafft. Die beiden Autos - ein geliehener VW-Bus und der Peugeot eines Zivis - sind bis unter das Dach gepackt und lassen gerade noch Platz für die Mitfahrer.

Am nächsten Morgen ist es so weit. Nach einem Gottesdienst, der von Tanja Brinkhaus-Bauer, Alois Bauer und einigen Zivis mitgestaltet wurde, machen wir uns, begleitet von guten Wünschen der Zurückgebliebenen, auf den langen Weg nach Serbien. Wie jedes Jahr, machen wir auch in diesem Jahr wieder Station in Graz. Wir erreichen abends die Kulturhauptstadt des vergangenen Jahres und werden von Pater Martin Bauer herzlich empfangen und bewirtet und genießen einen erholsamen Zwischenstopp. Am nächsten Tag machen wir uns, durch ein gutes Frühstück gestärkt, auf den Weg nach Belgrad, unser zweites Etappenziel. Nach problemloser Passierung aller Grenzen erreichen wir am frühen Abend die serbische Hauptstadt, wo wir von Mitarbeitern von Zdravo da ste (serbische Nichtregierungsorganisation) in Empfang genommen werden. Hier können wir uns nun noch einmal von der anstrengenden Fahrt erholen, bevor es dann endlich in die Lager geht.

Der dritte Tag unserer Fahrt hebt die Spannung und Anspannung. Nun geht es in den Teams, die bei der intensiven Vorbereitung während der Werkwoche gebildet wurden, in die beiden Lager. Was wird uns erwarten? Wie werden wir empfangen? Wie steigen wir am besten in unser Programm ein? Getragen von diesen unterschiedlichen Gefühlen trennen wir uns und fahren in die Lager Cardak und Petrovac. Hier erweist sich schnell, dass sich viele dieser Fragen von alleine lösen. Begleitet von Zdravo da ste-Mitarbeitern, die uns in die Lager einweisen, sind wir, kaum, dass wir das Lager betreten haben von Kindern umringt, denen die Freude über unser Dasein ins Gesicht geschrieben steht. Durch Kennenlernspiele verschiedener Art haben wir schnell gegenseitiges Vertrauen gefasst und zueinander gefunden.

Für die nächsten drei Wochen gestaltete sich unser Alltag nach einem sorgfältig vorbereiteten Plan. Gegen 10 Uhr starteten wir unser Programm, welches ca. zwei Stunden dauerte. In dieser Zeit haben wir mit den Kindern gebastelt, gemalt, musiziert und große Programmpunkte wie Lagerrally, Briefkastenspiel, Piratenaktion, Breakdance, Theater und buntes Abschlussprogramm für den letzten Abend vorbereitet.(Siehe Tabellen unten!) Nach dem Mittagessen und einer Mittagspause ging es dann gegen 16 Uhr weiter. In dieser Zeit machten wir eine Vielzahl von gemeinschaftlichen Spielen, für die wir die Lagersportplätze nutzten, machten Wanderungen und Rallys oder verschönerten zusammen mit den Kindern durch Straßenmalkreide die Sportplätze. Ein beliebter Programmpunkt des Abends war, neben dem gemütlichen Tagesausklang, das gemeinsame Bingospiel für Groß und Klein. Über nette Gespräche, Sport und Musik - sowohl selbst gemacht, als auch per CD - bekamen wir auch einen intensiven Kontakt zu den Jugendlichen der Lager und gestalteten so den einen oder anderen schönen Abend.
Für das Lager Cardak bot sich die Möglichkeit, anhand zweier Ausflüge - für die Kinder nach Bela Crkva (ein Badeort) und die Erwachsenen nach Belgrad - die Isolation nach außen wenigstens einmal für einen Tag aufzubrechen.

An den beiden uns zur Verfügung stehenden Sonntagen haben wir uns eine Auszeit genommen und uns Gegenseitig in den Lagern besucht und dann einmal einen Ausflug zu einem orthodoxen Kloster in die Berge unternommen und beim zweiten Mal die Hauptstadt Belgrad besucht. Diese Auszeiten waren für uns sehr wichtig, um für die Aufgaben der jeweils neuen Woche wieder Kraft zu schöpfen.

Diese drei Wochen waren für uns alle eine sehr wertvolle Erfahrung. Neben den Aktionen für die Kinder ging es uns auch darum, einfach da zu sein, sich auch einmal Zeit für Gespräche zu nehmen und zuzuhören, sofern es die Sprachkenntnisse zugelassen haben. Damit verbunden war auch, zu zeigen, dass niemand in den Lagern vergessen ist, sondern dass da Menschen sind, die an sie denken und - und das ist das Entscheidende - nicht nur denken, sondern auch handeln. Nach dieser Fahrt wurde einer der Zivis von einer Frau angesprochen, die zu ihm sagte: "An solchen acht von Gott gesandten Engeln sieht man, dass ER uns gern hat." Dieser Satz beschreibt sehr gut die Motivation acht junger Männer, sich auf den weiten Weg nach Serbien zu machen. Engel, von dem griechischen Wort "angelos" bedeutet "Bote". So dürfen wir uns durchaus als Boten betrachten, die die lange Fahrt auf sich genommen haben, um den Frieden weiter zu tragen. In diesen drei Wochen konnten wir sicher nicht die Welt verändern, aber wir konnten Menschen, die von Krieg und Leid gebeutelt sind, mit unseren Friedensschritten den Alltag für kurze Zeit verschönern. Und wenn diese Friedensschritte auch nur kleine Schritte sind, so hinterlassen sie doch große Fußabdrücke auf den Herzen der Flüchtlinge.


© Verfasst von Stephan Plur, 06. Oktober 2004



Bilder vom Einsatz


Die Küche
Küche, Arbeitsraum und mehr - hier wurden die kreativsten Ideen geboren, Petrovac
Unsere Schlafraum
Glücklicherweise viel Platz für jeden, so kann man gut entspannen und neue Energie für den Tag tanken, Petrovac

Kinderlachen
Die größe Belohnung, die es auf Erden gibt. Fröhliches Kinderlachen
Abschied
Nicht nur die Kinder sind fröhlich, auch viele Erwachsene sind sehr dankbar für die Friedensarbeit


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